Topstory: Zukunftssicherheit im Wandel – Von Value Creation zu Exit Readiness
Exit Readiness hat sich 2026 von einer theoretischen Überlegung zur strategischen Notwendigkeit entwickelt. Strukturierte Datenräume, transparente KPIs und dokumentierte Prozesse schaffen nicht nur Verkaufsfähigkeit, sondern operative Exzellenz – und erhöhen nachhaltig den Unternehmenswert.
Von Exit Awareness zu strategischer Handlungsfähigkeit
Pascal Kopp, Head of Business Development bei atares, beobachtet einen entscheidenden Wendepunkt: „Viele inhabergeführte Gründer der 90er/2000er-Generation haben noch nicht einmal das Bewusstsein dafür entwickelt, dass M&A ein strategisches Tool für Nachfolge oder die Lösung ihrer Herausforderungen sein könnte.” Als technikfokussierte “Founder by Heart” konzentrierten sie sich primär auf Produktentwicklung – selten mit Exit-Gedanken.
Hier setzt Exit Awareness an: Es geht darum, das Bewusstsein dafür zu schaffen, dass strukturierte Vorbereitung auf Transaktionen nicht nur Verkaufsfähigkeit bedeutet, sondern direkten Einfluss auf Unternehmenswert, Transaktionsgeschwindigkeit und strategische Optionen hat. Jeder Euro, den UnternehmerInnen demnach vorab in die Exit- oder nennen wir es M&A-Readiness ihres Unternehmens investieren, zahlt somit automatisch und direkt auf den Unternehmenswert ein.
Die atares ExitIQ Matrix: Wo steht Ihr Unternehmen?

Um diese strategische Einordnung zu systematisieren, haben wir die atares ExitIQ Matrix entwickelt. Sie klassifiziert Unternehmen anhand von Value Creation Potential (Y-Achse) und Transaction Probability (X-Achse) in neun Kategorien:
- The Crown Jewel: Maximale Exit-Readiness, sofortiger Prozessstart
- The Polished Gem: Hoher Wert, Elimination taktischer Risiken vor Marktgang
- The Safe Bet: Optimierung der Equity Story für Multiple-Expansion
- The Broken Diamond: Hoher Wert mit Red Flags – erst Corporate Hygiene, dann Verkauf
- The Average Performer: Solide Basis für 12-Monats-Wertoptimierung
- The Hidden Potential: Fokus auf Abhängigkeitsreduzierung und IP-Dokumentation
Diese Matrix hilft dabei, realistische Zeitpläne zu entwickeln und den optimalen M&A-Ansatz zu bestimmen.
Historisches Timing: Gründergeneration trifft Buy-then-Grow
Die aktuelle Konstellation ist außergewöhnlich: Die Tech-Gründergeneration erreicht die Nachfolgephase, während der Markt nach Jahren der Unsicherheit wieder Fahrt aufnimmt. Rainer Wieser, Gründer und Managing Partner bei atares, bringt es auf den Punkt: „Statt organisch zu wachsen, kaufen strategische Käufer gezielt Fähigkeiten, Zeit und Marktposition. Für inhabergeführte IT- und Softwareunternehmen bedeutet das eine historische Chance – vorausgesetzt, sie sind bereit.”
Messbarer ROI strukturierter Vorbereitung
Exit Readiness wirkt als Wertmultiplikator auf mehreren Ebenen:
- 15-30% höhere Bewertungen
- 30-50% kürzere Due-Diligence-Phasen
- Bessere Verhandlungsposition, durch mehrere qualifizierten Käufer
Serial-Entrepreneur Josef Brunner (Gründer von jouleX, relayr und NutriUnited) formulierte den Unterschied einst prägnant: „Unsere Unternehmen wurden nie verkauft – sie wurden gekauft.”
Auch Julius Köhler, Co-founder der Firma sennder, mit über 25 M&A-Transaktionen, bestätigt die Bedeutung struktureller Vorbereitung: „Integriere so schnell wie möglich!” Diese Integrationsgeschwindigkeit wird aber nur durch Exit-ready Strukturen ermöglicht.
Deal Design als strategischer Ansatz
„Deals sind Zahlen, aber M&A ist Gestaltung – und genau da kommt Deal Design ins Spiel”, wie Jan Pörschmann es formuliert. Gut vorbereitete Unternehmen können nicht nur die Transaktionsgeschwindigkeit, sondern auch die Deal-Parameter zu ihren Gunsten entwickeln.
Der strategische Dialog als Umsetzungsweg
Pascal Kopp beschreibt den Ansatz: „Wie ein Fitness-Coach führen wir zunächst einen umfassenden Check-up durch: Wo steht Ihr Unternehmen heute? Welche Stärken können wir ausbauen?” Darauf folgt ein strukturierter 90-Tage-Plan – vom KPI-Audit über Organisationsoptimierung bis hin zu Buyer-Mapping und Transaction-Design.
Fazit
Exit Readiness ist eine Investition mit unmittelbarer Rendite. In einer Welt, in der Buy-then-Grow zur dominanten Strategie wird, entscheidet strukturierte Vorbereitung darüber, ob Unternehmen reaktiv verkaufen oder strategisch gestalten.